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Natur und Kulturführer Chiemsee

plett verlandet sein. Die Hauptursache für die Verlandung ist nicht wie vielfach angenommen der Kies, der in der Ge- wässersohle transportiert wird, sondern die Schwebstoffe, die in erster Linie über die Tiroler Achen in den Chiemsee gelan- gen. Sie kommen überwiegend aus Tirol, aus dem Raum Kitzbühel. Schwebstoffe sind feinkörnige Mineralien wie Tone und Sande, die mit dem Wasser transportiert werden und als „braune Brühe“ in den Chiemsee fließen. Im Beobachtungszeit- raum von 1926 bis 2000 schwankten die Jahresmengen der Schwebstoffe dabei von wenigen Tausend Kubikmetern bis hin zu 450.000 Kubikmetern. Pro Jahr sind das im Schnitt ca. 170.000 Kubikme- ter. Einzelne Hochwässer können bis zu 185.000 Kubikmeter in den See transpor- tieren. Bei den Untersuchungen konnte festgestellt werden, dass es südlich von St. Johann im Raum Kitzbühel sehr labile und erosionsanfällige Gesteine, die sog. Grauwackenzone, gibt. Von dort kom- men bis zu 80 % der Schwebstoffe her. Die Forscher der Technischen Universität München haben auch den Verlandungs- prozess im Chiemsee selbst untersucht. Die Ergebnisse haben gezeigt, dass eine stärkere Verlandung in den östlichen Buchten auftritt und das Delta sich bis zu 25 m pro Jahr in den See vorschiebt. In ers- ter Linie wird dieser Vorschub durch San- de, die die Tiroler Achen mit sich bringt verursacht. Interessant war auch, dass sich mit Hilfe von Pollenanalysen zeigen ließ, dass die Verlandung mit der ersten Besiedelung des Einzugsgebiets durch den Menschen anstieg. Durch Radioakti- vitätsmessungen an den Bohrkernen ließ sich auch erkennen, dass in den letzten 50 Jahren Verlandungshöhen von weni- gen Zentimetern im Weitsee oder in den nordwestlichen Buchten und bis zu 3 m nahe am Delta erreicht worden sind. Im Rahmen der Untersuchungen wurde auch geprüft, ob Schwebestoffe im Bayerischen Einzugsgebiet zurückgehalten werden können. Dazu fehlen vor allem Flächen zur Anlage großer Rückhalteflächen bzw. -becken, in denen sich die Schwebstoffe absetzen können. Das Fazit: Ausreichende Rückhalteflächen stehen im bayerischen Einzugsgebiet des Chiemsees für einen wirkungsvollen Schwebstoffrückhalt auf- grund der Enge des Achentals, der dich- ten Besiedelung und der intensive Land- wirtschaft derzeit nur sehr begrenzt zur Verfügung. Nahezu Windstille am bayerischen Meer Mündung eines Wassergrabens in den Chiemsee 17 II. DER CHIEMSEE – DAS BAYERISCHE MEER

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