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Chiemseejazz

7 Atzdorf, Freitag im September. Er ist wieder da, hab ich gehört, und dann bin ich ein paar Tage später rübergefahren zu ihm. Schmaler ist er geworden in den Jahren, die er weg war. Er hat jetzt eine Kneipe in Atzdorf, das ist in der Nähe von Prien, und man sieht auf den Chiemsee von da. Man sieht die Inseln, die Boote, die Berge, die verschiedenen Farben des Wassers. Und man spürt den Frieden tief in sich selber, den dieses Bild auslöst. Aber es wird lange dauern, bis der blaue Himmel wieder so blau wird und der tiefgrüne See wieder so grün wie er ihn kennt, sagt er. Seine Kneipe heißt „Endstation“. Weil‘s für ihn die Endsta­ tion sein soll. Nichts großes, ein halbes Dutzend Tische und eine Theke mit vielleicht zehn Sitzplätzen. Das übersichtliche Speisenangebot hat er mit Lippenstift oder sowas auf einen quadratmetergro- ßen Spiegel geschrieben. Der hängt neben dem Kachelofen, bei der Küchentüre. „Gibt jeden Tag was anderes, geht nach Laune und Frischein- kauf und Alkoholpegel“, sagt er. Gekocht hat er schon immer gerne. Sachen, die man sonst nicht so auf den Teller kriegt: verrückte Pilzpestos oder Hecht in Rotwein mit Büffelmozzarella oder Kartoffelgyros mit ge- rösteten Fleischpflanzerlstücken. Verrücktes Zeug eben, ge- nauso verrückt wie er schon immer gewesen ist. Dann ist da noch seine Bedienung, die einarmige Nellie. Bür- gerlich: Anneliese Eutermoser. Sie ist natürlich nicht einarmig, sondern weigert sich nur, mit der linken Hand was Schwereres als ihren Gin-Tonic zu tragen. Hat sie dem Stocker beim Ein- stellungsgespräch aber ausdrücklich gesagt. Darauf er: „Ja, okay, aber wer abends trinkt, kann morgens

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