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Chiemseejazz

9 um die zwanzig, fünfundzwanzig. „Genau da sind sie“, hat- te er mir gesagt, „im Tanzstudio. Frauen, Mädchen, was du willst. Wie die Goldfische im Aquarium. Und du, du bist der Hecht im Karpfenteich.“ Hat sich auch gut angelassen, weil die Mädels dort gedacht haben, der ist sowieso schwul. Dafür sorgte zum Teil schon sein Name: Albin Maria Stocker. Nett ausgesehen hat er auch. Also: gut Freund, keine Gefahr. Außer einem bösen Muskel- kater und ein paar ziemlich männerfeindlichen Sprüchen hat ihm das Ballettabenteuer nach seinem Hetero-Outing aber rein gar nichts gebracht, denn tanzen, das konnte er vorher ja auch nicht. Mit seiner damaligen Flamme, der Rosi, ging der Stocker dann in den 80ern nach Spanien. Sie, die Rosi, war eine meist übelgelaunte, aber gutgebaute Friseuse mit Hang zum Dauer- bräunen. Und der Stocker, der hat gehört, da unten, in Spa- nien, da liegt das Geld auf der Straße. So sind sie losgefahren. In einem alten Chrysler-Van. Mit ein paar Klamotten, etwas Kleinzeug und Hirni, einem schizoiden, weißbrotsüchtigen Riesenschnauzer. Bis nach Orba del Sur, genau genommen, sind sie gekom- men. Netter Fleck, verschlafenes Nest, direkt am Meer. Um die fünftausend Einwohner. Attraktionen: Fischereihafen und die stinkende Fähre nach Mallorca rüber, jeden Abend um sie- ben. Im Örtchen: überwiegend kleine Küstenspanier, die aber fast alle auf Plateausohlen unterwegs waren, um dem Himmel näher zu sein. Trotzdem, wenn‘s ausnahmsweise wirklich mal geregnet hat, waren die die letzten, die davon erfahren haben. Die Frauen in Orba del Sur trugen fast alle lange, streng nach hinten gekämmte schwarze Haare. Haben den Pferden, denen sie sicherlich mal gehörten, gut gestanden, denke ich.

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