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Bildband Chiemgau

2 | Eigentlich ist der Chiemgau ein Kunst- gebilde. Politisch gibt es ihn nämlich gar nicht. Der größere Teil im Osten zählt zum Landkreis Traunstein, der kleinere im Wes- ten zum Landkreis Rosenheim. Nur im Sü- den gibt es einen präzisen Abschluss: die Grenze zu Österreich, oder genauer: zu Tirol. Das Verhältnis zwischen den Nachbarn war nicht immer ungetrübt, vor allem nicht vor rund 200 Jahren, als sich die Bayern an der SeitevonNapoleonsFranzosendiesüdlichan- grenzende Region gewaltsam einverleibten. Die unterdrückten Tiroler rebellierten 1809 schließlich gegen ihre Besatzer, wobei deren Anführer,derbisheutelegendäreAndreasHo- fer,seinenMutjedochmitdemLebenbezahlte. Aber dieses dunkle Kapitel bayerisch-tirole- rischer Beziehung ist längst Vergangenheit. Heuteverstehensich BayernundTirolerpräch- tig, was etwa bei der alljährlichen gemeinsa- menWallfahrtimChiemgauerGrenzdorfSach- rang eindrucksvoll zur Schau gestellt wird. Die Landschaft des Chiemgaus ist geprägt vom Ende der letzten Eiszeit vor zehn- bis fünfzehntausend Jahren. Die damals mäch- tigen Gletscher, die sich durch die Täler des Inn und der Tiroler Ache fächerartig weit ins nördliche Flachland hinausschoben, schmol- zen mit zunehmender Erwärmung immer weiter ab und hinterließen zwischen Morä- nen- und Geröllhügeln ein herrliches Mosaik kleiner und größerer Seen. Dieser besondere DreiklangvonSeen,HügelnundBergenprägt bis heute das Landschaftsbild des Chiemgaus. Die meisten Seen haben heute freilich nicht mehr die Ausdehnung wie damals, und selbst dasgrößtedieserBecken,derChiemsee,istin- zwischen nicht einmal mehr halb so groß wie am Ende der Eiszeit. Trotzdem ist er mit sei- nen rund 80 Quadratkilometern immer noch das größte rein bayerische Gewässer, weshalb man ihn auch das„Bayerische Meer“ nennt. Dieser See wirkte schon immer wie ein Mag- net auf die Menschen, deren Siedlungsspuren bis weit vor den Beginn unserer Zeitrechnung zurückreichen. Lange bevor die Römer sich kurz nach Christi Geburt das Land jenseits der Alpen unterwarfen und fast ein halbes Jahrtausend lang beherrschten, waren hier schon die Kelten ansässig. Eine keltische Gottheit war es dann auch, die dem Chiem- see seinen ersten, später von den Römern übernommenen Namen gab: Lacus Bedaius. Der heutige Name des Sees wird jedoch auf einen Gutsherrn namens Chiemmi oder Chie- mo zurückgeführt,derimachtenJahrhundert zur Zeit Karls des Großen am Ostufer – eben beim heutigen Chieming – gelebt haben soll. Von ihm erhielt der Ort, danach der See und schließlich der ganze Gau den Namen. Etwa zur gleichen Zeit entstanden mit ver- schiedenen Klostergründungen die ersten Keimzellen gehobener Kultur. So gründete Bayernherzog Tassilo III. Mitte des ach- ten Jahrhunderts auf der Herreninsel eine Mönchsabtei und auf der Fraueninsel ein Nonnenstift, das später dem Benediktinerin- nenorden angegliedert wurde. Diese Kons- tellation gab immer wieder Anlass zu wilden Spekulationen, wobei die kleine Krautinsel in der Mitte als geheimer Treffpunkt der Ge- schlechter herhalten musste. Doch nüchtern betrachtet war das kleine Eiland wohl doch nicht mehr als der Gemüsegarten der Bene- diktinerinnen. Anfangs nannte man die Inseln Frauen- und Herrenwörth, doch schon damals schien das männliche Geschlecht etwas besseres gewe- sen zu sein. Denn nach üblichem Sprachge- brauch ist das Pendant zum Herr die Dame und zum Mann die Frau. Ungeachtet dieser wohl ungewollten Diskriminierung waren es aber dann doch die Frauen, die sich als zäher erwiesen. Denn während das Augustiner- Chorherrenstift im Jahre 1803 der Säkularisa- tion zum Opfer fiel, besteht das Benediktine- rinnenkloster bis heute. Ins Gespräch kam die Herreninsel erst wieder, als sich Bayernkönig Ludwig II. die Insel als idealen Standort für einen seiner architekto- nischenTräumeerkor.ZwarwurdedasSchloss DER CHIEMGAU: PARADIES IM WANDEL.

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