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Kulinarisch MUC-SZ

FREUDEN FÜR AUGE, SEELE UND GAUMEN II 11 Autofahren. Ärgern wir uns nicht, wenn der Zug auf einer Nebenstrecke ein- mal bummelt – solche Strecken sind ohnehin selten geworden, aber es gibt sie noch –, sondern schauen wir aus dem Fenster, was wir dort alles se- hen! Sten Nadolny schrieb in seinem Roman »Netzkarte« völlig zu Recht: »Das Bahnfahren gibt viel Überblick. Von der Straße aus muss man so vie- les beobachten, was nur ihretwegen so aussieht – von den Verkehrsschildern ganz abgesehen. Der Bahn zeigen die Städte und Dörfer ihr altes und hüb- sches Gesicht, der Straße dagegen al- les, was neu ist. Und die Reklame. Die Bahn gehört längst zur Landschaft und hat Gewohnheitsrecht. Sie fährt mitten durch die Obstanger alter Bauernhöfe, man sieht die Kinder mit dem Esel spie- len, die Hühner scharren, die Katze schleichen.« Selbst der Linienbus hat seinen Reiz – wenn sich die beiden alten Damen auf dem Rückweg von der Stadt miteinan- der über die neuesten lokalen Themen unterhalten und an der nächsten Haltestelle eine Schar kichernder halb- wüchsiger Mädchen hereinstürmt  … Kommunikativer ist das Fahren mit den »Öffentlichen« auch, denn immer wie- der bieten sich Möglichkeiten für nette Gespräche. Jetzt haben wir Appetit bekommen … denn wir sind ja nicht einfach auf Streifzug, sondern auf einem kulina- rischen Streifzug. Wie hätten Sie es denn gern? Darf es der Landgasthof sein, wo man Wert darauf legt, dass das meiste, was auf den Tisch kommt, vom Bauern gleich nebenan stammt und selbstverständlich alles frisch gekocht wird? Wo es vielleicht sogar eine eigene Metzgerei oder Landwirtschaft gibt? Besuchen wir das Hotelrestaurant, bei dem schade wäre, wenn der höchst kre- ative Koch nur die Hausgäste versorgen würde? Oder wollen wir uns einmal et- was ganz Besonderes leisten und ein Haus aufsuchen, das in Gourmetführern wie dem Gault Millau Beachtung und anerkennende Kommentare erfährt, das vielleicht sogar mit der wohl höchs- ten Auszeichnung aufwarten kann, die es in der kulinarischen Szene gibt: mit einem oder mehreren Sternen des Guide Michelin? Aber es ist nicht nötig, so hoch zu greifen: Manche auf den ersten Blick unscheinbare, vielleicht abgelegene Gastwirtschaft bietet ausgezeichne- tes, frisches Essen, und das oft zu Preisen, bei denen auch die Familie mit kleinerem Geldbeutel nicht lange überlegen muss, ob sie sich so et- was leistet. Der Freund altbayrischer Wirtshaustradition wird in unserem Gebiet immer wieder fündig – ganz egal, ob er eine schnörkellose Küche bevor- zugt oder einen Schuss Kreativität zu schätzen weiß, der dem Altbekannten eine neue Note gibt. Wir scheuen uns aber auch nicht, »Exoten« vorzustellen, wie ein kleines Restaurant, das hierzu- lande fast unbekannte südthailändische Spezialitäten anbietet. Für die Nachmittagseinkehr zum Kaffee haben wir ebenfalls einige besondere Tipps. Häuser, die ihren Kaffee selbst rösten oder bei denen man nach der Einkehr noch Bio-Ware aus der Region mit nach Hause nehmen kann. Wie überhaupt dieses Buch nicht nur gastronomische, sondern auch Shopping-Tipps gibt – die sich natürlich alle ums Essen und Trinken drehen. Wir haben Feinkost- und Weinhandlungen besucht und Käsereien, die auf Qualität achten und deren Produkte sich positiv vom Einerlei unseres manchmal uniform gewordenen Lebensmittelangebots abheben. Wir waren in kleinen, in Familienbesitz befindlichen Brennereien und konnten feststellen, dass gerade der Südosten Bayerns ein hochinteressantes Pflaster ist, wenn es um Spirituosen geht  – nicht um »Schnaps«, sondern um Edelbrände, die man sich genüsslich in kleinen Schlückchen auf der Zunge zergehen lässt. In Bayern darf ein weiteres Thema auf keinen Fall fehlen: das Bier. Es ist ein Glück, dass es zwischen München und Salzburg eine ganze Reihe von kleinen Brauereien gibt, die Bier mit Charakter brauen anstatt industrieller Massenware. Jede hat ihr eigenes Profil und ihre eigene Philosophie – und ist so auf interessante Weise anders als die anderen. Bleibt uns also jetzt nur noch eines: Ihnen eine genüssliche Reise und guten Appetit zu wünschen!

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